Unterrichtsausfall wird abiturgefährdend

Unterrichtsausfall wird abiturgefährdend

Ein offener Brief der Eltern des Gymnasiums Dreikönigschule klärt Kultusminsiter Wöller, die politischen SprecherInnen der Fraktionen und die Presse über die enormen Unterrichtsausfälle auf. Hier wird der Sächsischen Bildungsagentur vorgeworfen, sich dem Problem nicht anzunehmen, sondern die Statistik zur Verschleierung der Tatsachen zu bemühen.

Unterrichtsausfall am Gymnasium Dreikönigschule

Sehr geehrter Herr Prof. Wöller,

wir haben ein Antwortschreiben der Sächsischen Bildungsagentur erhalten. Die Reaktion der SBA erweckt bei uns den Eindruck, dass man den Ernst der Lage nicht verstanden hat und keine angemessenen Maßnahmen plant. Wir bitten Sie deshalb, sich persönlich für die Einleitung kurzfristiger und langfristiger Maßnahmen zur Verbesserung der Gesamtsituation einzusetzen.

Die von der SBA vorgesehene Vertretungslehrerin für Biologie und Chemie ist selbst erkrankt. Deshalb ist weiterer Unterricht ausgefallen. Vollkommen unbefriedigend sind Formulierung der SBA wie: "alle Möglichkeiten zur Absicherung des Unterrichts im Grundbereich sowohl von der Schule als auch von der Sächsischen Bildungsagentur als personalführender Dienststelle genutzt werden". Solche Antworten zeigen uns, dass die SBA weder die Eltern noch die Situation an der Dreikönigschule im erwarteten Maß ernst nimmt.

Wir erwarten, dass sehr zügig wirkungsvolle Strategien zur Verbesserung entwickelt werden sowie Maßnahmen zur Gegensteuerung folgen. Aktuell ist das nicht erkennbar! Die Personalplanung muss auch vorausschauend einen bestimmten Prozentsatz Krankheit, Langzeitausfälle und Weiterbildung absichern.

Bildung ist das kostbarste Gut, welches wir unseren Kindern auf den Weg geben können! Wir, die Arbeitsgruppe Unterrichtsausfall des Elternrates am Gymnasium Dreikönigschule in Dresden, sehen die Bildung unserer Kinder als gefährdet an. Dies ist keine subjektive Einschätzung, sondern kann mit Tatsachen belegt werden.

Schon im Schuljahr 2010/2011 gab es an unserer Schule so massive Unterrichtsausfälle, dass die Vermittlung des Schulstoffes nicht mehr im nötigen Umfang gesichert war. Zusammen mit dem Schulleiter wurden alle Möglichkeiten zur Reduzierung des Ausfalls durchgesprochen und ausgeschöpft. Wir sind damals an die Sächsische Bildungsagentur herangetreten und haben die von uns erhobenen Daten zum Unterrichtsausfall vorgelegt. Die diesbezügliche Darstellung durch die Bildungsagentur war für uns unbefriedigend, da die fachlichen Ausfallspitzen auf die gesamte Schule Elternrat Gymnasium Dreikönigschule generalisiert wurden und somit die Bildungsbenachteiligung der stark betroffenen Klassen statistisch minimiert worden ist.

Weiterhin hatten wir Kontakt zum Vorsitzenden des Ausschusses für Schule und Sport, Herrn Colditz aufgenommen. Dabei haben wir auf das Grundproblem von Langzeitausfällen hingewiesen und eine Verbesserung der Situation eingefordert. Letztlich wurde uns von der SBA versprochen, dass der planmäßige Unterricht im neuen Schuljahr abgesichert sein wird.

Im aktuellen Schuljahr 2011/2012 ist die Situation jedoch unverändert. Es gibt wieder 3 längerfristige Lehrer-Ausfälle am Gymnasium Dreikönigschule. Trotz Ausschöpfung aller Vertretungsmöglichkeiten (Planumbau, Streichung der Ganztagsangebote und Arbeitsgemeinschaften, Zusatzstunden) lässt sich der Ausfall nicht auf ein vertretbares Maß reduzieren. Die Situation ist so akut, dass in mehreren Klassen der Unterrichtsstoff in den Fächern Chemie und Biologie nicht mehr im nach Lehrplan erforderlichen Maß vermittelt werden kann. Es trifft hier besonders die Klassenstufen 8, 9 und 11.Weiterhin musste der Sportunterricht in mehreren Klassen gekürzt werden, da kein ausreichender Ersatz an Lehrern vorhanden ist.

Vollkommen unverständlich ist uns hierbei, dass der Elternrat hierzu eine eigene Statistik führen muss, um diese extremen Ausfälle erkennbar zu machen. Wir möchten Ihnen die aus unserer Sicht nicht akzeptablen Unterrichtsausfälle im folgenden aufzeigen.

Diese Zahlen sind unter der Annahme, dass es bis zum Ende des aktuellen Schuljahres keinen Ausfall mehr geben würde, ermittelt. Die Zahlen werden weiter steigen, sobald die nächsten Unterrichtsstunden ausfallen. Es ist an der Zeit ernsthafte Gegenmaßnahmen zu treffen. Mit solchen Ausfallquoten sind ein guter Abiturabschluss unserer Kinder und somit deren Studienchancen gefährdet.

Ausfallstand Anfang Dezember 2011 bezogen auf Gesamtstundenzahl für das Schuljahr 2011/2012

  • Klasse 5b: Ethik über 9,7%
  • Klasse 6a: Religion über 7,3%
  • Klasse 7d: Biologie 8%, Sport über 8,2%
  • Klasse 8a: Sport über 7,3%
  • Klasse 8b: Biologie 12,5%, Chemie über 15,1%
  • Klasse 9a: Biologie über 12,6%, Chemie fast 19%, Sport über 17%
  • Klasse 10a: Sport über 15,7%
  • Klasse 10b: Sport über 17,7%
  • Leistungskurs Physik und Mathematik Stufe 11: Chemie über 16,2%, Ethik über 7,8%, Geschichte über 7,3%

Die von uns geführte Statistik rechnet mit mehr möglichen Unterrichtsstunden, als es in der Wirklichkeit geben wird. Wir haben nicht eingerechnet, wenn Unterricht wegen Exkursionen, Betriebspraktika, Klassenfahrten, fächerverbindendem Unterricht oder aufgrund von Projekttagen nicht entsprechend des Plans stattfindet.

Ein aktuelles Beispiel, wie sich diese Unterrichtsausfälle auswirken, ist die Klasse 11. Die Schüler im Leistungskurs Mathematik mussten sich den Vorwurf anhören, ihnen würde Grundlagen-Wissen aus Klasse 8 fehlen. Genau in Klasse 8 hatte die Klasse durch Ausfall der Mathematiklehrerin weniger als 50% des Unterrichtsstoffes behandelt. Solche Situationen müssen zukünftig verhindert werden.

Sehr geehrter Herr Minister, wir fordern Sie hiermit nochmals auf, kurzfristig ein wirksames Maßnahmenpaket entwickeln zu lassen, mit dem schon im aktuellen Schuljahr Langzeitausfälle von Lehrern kompensiert werden. Wir erwarten von Ihnen, als verantwortlicher Minister, wirkungsvolle Lösungsansätze und Strategien, um solche Situationen zukünftig zu verhindern.

Wir fordern für unsere Kinder die Möglichkeiten zum Einsatz schulfremder Fachleute auf Honorarbasis, um Unterrichtsausfallspitzen abzupuffern. Wir bitten um die Prüfung zur Teilnahme an der Bildungsinitiative Teach First Deutschland und fordern, dass aufgrund von generalisierenden Statistiken Einzelfälle, wie eben an unserem Gymnasium, nicht außer Acht gelassen sondern aktiv angegangen werden.

Wir möchten, dass Sie zur Kenntnis nehmen, dass wir eine Verzögerung von für unsere Kinder relevanten und hilfreichen konkreten Lösungen nicht tolerieren werden. Im weiteren gehen wir nach allen o. g. Negativ-Erfahrungen mit den entsprechenden Behörden von notwendigerweise zu setzenden Zeichen, dass etwas Wirksames geschieht, aus.

So könnten Sie schon umsetzbare Auskünfte geben, wie die Schüler mit ihrer Not und Lehrer in ihrem System für sich oder gemeinsam die Situation förderlich und schnell wenden könnten. Allgemeine oder verweisende Antworten sind in dieser zugespitzten Situation nicht tragbar! Sie sollten jetzt liefern! Für uns denkbar geworden sind Einzelfall-Beschwerden, die durchaus justiziablen Rang haben, wie die Erfahrung andernorts zeigt.

Wir bitten Sie um eine zeitnahe Rückmeldung bis Mitte Januar und bieten Ihnen ein offenes Gespräch vor Ort im Zeitraum vor den Winterferien an.

Mit freundlichen Grüßen

Attila Bodor Ralph Herzig [Schulelternsprecher Elternrat und Arbeitsgruppe Unterrichtsausfall)


"Unterrichtsausfall ist die Mutter der Bildungslücke."

Julia Klöckner, Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)