Der gute Mensch von Sezuan
Der gute Mensch von Sezuan (Bertolt Brecht)
Ein Brecht-Klassiker in der St. Pauli Ruine, erschreckend aktuell und Stoff für eine großen Komödie. Die zentrale Frage „Wie soll ich gut sein, wenn alles so teuer ist?“ können auch die drei auf der Erde herumirrenden Götter nicht beantworten.
Sie suchen einen guten Menschen, wenigstens einen, als Beleg dafür, dass die Welt so bleiben kann wie sie ist. Sie finden die gutherzige Prostituierte ShenTe, die mit etwas Startkapital einen Tabakladen eröffnet und damit Gutes tun will. Doch wird sie schnell von Forderungen und Ansprüchen erdrückt. Nachbarn, Behörden und sogar ihr Geliebter nutzen ihre grenzenlose Güte schamlos aus. Um zu bestehen, erfindet sie einen rücksichtslosen, hartherzigen Vetter. Dieser imaginäre Vetter, den sie als Hosenrolle spielt, übernimmt erst ihre Geschäfte und zunehmend ihr Leben.
Die Zuschauer in der St. Pauli Ruine erleben ein leidenschaftlich um Gut und Böse ringendes Figurenensemble und entscheiden nach dem amüsant, tief greifenden Theaterabend: "Soll die Welt geändert werden? Wie? Von Wen?".
Zur Handlung: Shen Te lebt in der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sezuan, in die drei Götter reisen. Der Plan der Götter: wenn sie genügend gute Menschen finden, kann die Welt so bleiben, wie sie ist. Das Problem: Die Götter haben mit der Realität nichts zu tun. Sie kommen aus einem offenbar aufgeräumten Himmel in eine ganz und gar nicht heitere Welt. Denn in Sezuan herrscht bittere Armut und überleben kann nur, wer kalt und unbarmherzig ist. Die Prostituierte Shen Te ist denn auch die Einzige, die den Göttern Quartier anbietet. Dafür bekommt sie Geld von ihnen und kauft sich einen Tabakladen. Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Shen Te scheitert an ihrer Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit. Letztlich kann sie die eigene Existenz nur retten, indem sie – verkleidet als geschäftstüchtiger „Vetter“ Shui Ta – den Schmarotzern und Wucherern trotzt. In der Maske eines Mannes baut sie eine florierende Tabakfabrik auf und gibt dafür jede Menschlichkeit preis.
Shen Te muss Elend schaffen, um Elend zu beseitigen. Die Strukturen zwingen die Menschen, nicht miteinander, sondern gegeneinander zu leben. Folgerichtig scheitert
auch Shen Tes Liebe zum Flieger Sun Yang. Wie viel Egoismus verträgt „das Gute“?
Was gibt man auf, um Erfolg zu haben? Wie viel ist Reichtum wert? Und ist das Gute in dieser Welt überhaupt lebbar? „Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Im Epilog fordert Brecht die Zuschauer dazu auf, eine eigene Lösung des Problems zu suchen.
